Titelstory im HIMBEER-Magazin:

 

Titelstory HIMBEER Sabine Neddermeyer Let's go hygge Cover

alle Fotos: Sabine Neddermeyer

 

Artikel in der vegan.at,
dem Magazin der Veganen Gesellschaft:


Fotos: Anja Menzel

Noch nie gab es so viele Möglichkeiten: Je größer die Auswahl in allen Lebensbereichen, desto kleiner ist oft die Fähigkeit, sich festlegen zu können. Faszinierend sind deswegen all jene, die mutige Entscheidungen treffen und diese konsequent verfolgen. Über ein veganes Paradies inmitten toskanischer Tradition.

Der Trend dieses Jahres heißt laut The New York Times JOMO. Dabei geht es darum, keine Angst mehr haben zu müssen, etwas zu verpassen. Im Gegenteil: The Joy Of Missing Out feiert geradezu die Fähigkeit, dazu zu stehen, eben NICHT immer und überall dabei sein zu müssen. Das klingt nicht nur wunderbar entspannend, sondern es trifft auch exakt den Nerv vieler Menschen. Franziska und Benjamin Posch haben einen JOMO-Ort in der Toskana geschaffen. Gemeinsam haben sie ein geerbtes Haus zu einem magischen Ort gemacht, der Menschen glücklich macht, weil er sich auf das besinnt, was viele so kaum mehr in unserem Alltag leben: pure Einfachheit. Es ist ein Ort, der es innerhalb von kürzester Zeit hinbekommt, jeden, der sich für einige Tage aus dem Dschungel von tausendundeiner Möglichkeit zurückzieht, von einer Last befreit. Denn wer dort ankommt, merkt schnell: Hier gibt es kein Internet, kein Telefon und keinen Fernseher.

Digital Detox in der Toskana

Wohl jeder, der über die unebene Schotterstraße inmitten sanft geformter Hügel, geblendet von der Sonne und der Schönheit einer schlichten Allee hinauf auf den Hügel zur Agrivilla I Pini hochzuckelt, hat sich ganz bewusst für eine kleine Auszeit entschieden. Das Geniale daran ist, dass man für diese Detox-Tage gar nicht viel ändern muss. Man muss nicht ins Kloster, muss nicht meditieren, und das Beste: man muss noch nicht mal verzichten. Im Gegenteil! Auf dem riesigen Gelände, mit seiner Weitläufigkeit auf 14 ha zwar abgelegen, dennoch nur unweit vom UNESCO Weltkulturerbes San Gimignano entfernt, schöpft man aus der prall gefüllten Schatzkiste der Natur.

Abschalten und auftanken

Für das österreichische Betreiberpaar stemmt hier ein kleines, feines, leidenschaftlich engagiertes internationales Team ein ganz neues Level des Agriturismo: biologisch vegane Landwirtschaft mit veganem Naturwein, kalt gepresstem Olivenöl, heimischem Streuobst und Gemüse. Ohne chemische Einflüsse werden heute im I Pini biologische Qualitätsweine gekeltert, bei deren Erzeugung auf tierische Produkte verzichtet wird. Franziska Posch und ihr Mann bauten vor fünfzehn Jahren erstmalig das alte Haus als klassisches Agriturismo um, doch in ihnen entstand immer mehr das Bedürfnis, die Villa erneut umzugestalten: und zwar 100% biologisch. „Wir wollten dem historischen Gebäude seine Persönlichkeit zurückgeben“, gibt das Ehepaar Posch zu. Der Entschluss, nur natürliche Materialien zu verwenden, wurde in der traditionell geprägten Region allerdings zu einer überbordenden Herausforderung. Die gewünschten nachhaltigen Materialien gab es schlichtweg nicht.

Hört einfach auf euer Herz

Dieser Ansatz, das Motto des Bauleiters, ging auf: Experimentierfreudige Handwerker fanden sich. Das Ergebnis im Mai 2018: Alle elf durch beeindruckende Schlichtheit betörenden Zimmer mit ihren atmenden Hanf-Kalkwänden haben Charakter. Sorgfältig restaurierte Antikmöbel stehen auf Böden aus regional handgefertigten Terrakottafliesen. Jedes Zimmer hat ein Lehmbad mit tierversuchsfreier Bio-Seife. Plastik? Fehlanzeige. Von den Leinenstoffen bis hin zu den Designerlampen ist alles in der Toskana produziert. Solarzellen speisen das Wassersystem, nachhaltige Quellen die Stromzufuhr.

Mit der Natur verbunden

Hinter allem steht die Idee einer tollen Mixtur aus Progressivität und dem Umgang, Dinge zu hinterfragen. Auch beim Essen. Wie kann man die traditionellen Gerichte der Toskana neu aufladen? Veganer werden natürlich neugierig gefragt, was sie denn dort zu essen gedenken. Kulinarisches ist zwar weltweit bekannt, doch folgt es einem traditionellen Schema: vom Tier oder mit Tier. I Pini-Koch Mauro nennt seine Arbeit die Küche des Friedens. „Do it with love“, lacht er. So gibt es immer Veganes, immer Regionales, jedoch herrlich aufgemischt: Einiges fügt er bewusst hinzu, Anderes lässt er bewusst weg. From farm to table ist der ausschlaggebende Punkt. „Different“ nennt er selbst seine kreative Küche: Mit der Mission, dass Veganes niemals einschränkend ist, sondern immer etwas dazu addiert. Deswegen findet man den Profi ganze drei Mal am Tag eine Stunde lang im Garten und kann ihn beobachten, wie er sich von Pflanzen, Kräutern oder Gerüchen inspirieren lässt. Für ihn ist es ungeheuer spannend, Nicht-Veganer mit seinen Kreationen zu überzeugen. Tatsächlich schafft er dies mit seinen Kreationen sehr oft, sicher nicht zuletzt mit seinem legendären Vegamisu.

Ablenkung nein danke
Ganz wundervoll ist auch, nebenbei gesagt, die in jedem Moment des Aufenthaltes spürbare Gabe des gesamten Teams, niemanden bekehren zu wollen, sondern einfach nur ehrlich und authentisch zu sein. Diese unaufgeregte Art macht es, dass man bei jedem Ausflug in die Umgebung, eigentlich nur schnell wieder zurück will. Weg vom veganen Eis, das zwar ausgezeichnet, aber von viel zu viel Trubel umgeben ist. Weg vom Sightseeing, so schön die mittelalterliche Stadt von San Gimignano auch ist, zurück in diese liebevolle Umarmung der Natur. Die Skyline vom Manhattan des Mittelalters lässt sich schließlich auch ganz wunderbar vom Naturpool-Liegestuhl aus betrachten.

Website: ipinitoscana.com

 

Die Droge meines Mannes.
Ein Selbstversuch.
ARTIKEL IN der TAGESZEITUNG DIE WELT:

Selbstversuch Triathlon Ironman Training Wšoerthersee, Klagenfurt, …Oesterreich Ironman Austria Kaernten

Dieser Artikel erschien in der Rubrik REISEN in DIE WELT, Fotos: Anja Menzel.

 

 

WIR LEBEN NUR EINMAL.
ODER: DIE 30.000 SEEMEILEN AUSZEIT.
EIN Interview für’s Looping Magazin:

Schon klar, die machen fünf Jahre Auszeit auf dem Segelboot. Wenn man alles erwartet hätte, aber nicht das: Ein Traumpaar mit Vorzeigekarrieren lässt auf einmal alles stehen und liegen. Scheißt auf mühsam aufgebaute Karrieren und Doktortitel, auf die schicke Wohnung und alle anderen Statussymbole. Verkauft alles, um mit einer knapp 15 Meter langen und 4 Meter 50 breiten Segelyacht namens Trinity loszuziehen auf die Meere dieser Welt. Was andere als Lebensziel haben, war bis dahin längst Alltag für beide: Kerstin leitete als Brand Consultant erfolgreich Abteilungen in Werbe- und Designagenturen, ihr Mann Robert hatte mit zwei Partnern 1998 eine hippe Berliner Werbeagentur gegründet, mit Kunden wie MTV, Nike oder Heineken aufgebaut und zu einem Namen gemacht. Schon ab 1999 ist Aimaq, Rapp, Stolle unter den Top 10 der kreativsten Agenturen Deutschlands.

Doch 2011 liest man plötzlich nicht Nachrichten von einem neu gewonnenen Etat, sondern von einer Auszeit. Und noch besser: auf einer eigenen Segelyacht. Hallo, wie cool ist das denn? Erst 30.000 Seemeilen, über 20 Länder und fünf Jahre später kehren Frau Doktor Foell und Herr Stolle nach Europa zurück. Ich habe so viele Fragen zu der größten Reise ihres Lebens und ihrem Ausstieg auf Zeit, die mich bewegen.

Besonders, wenn ein Jahr zur Neige geht, ich Bilanz ziehe, mir neue gute Vorsätze nehme, muss ich an die beiden denken. Und an George Clinton. Free your mind, and your ass will follow. Hach.

So viele träumen davon, mit einer Segelyacht die Welt zu bereisen, einfach mal auszusteigen. Was gab euch den Anstoß, es einfach wahr zu machen?

Kerstin: Wir leben nur einmal. Und wir leben JETZT. Wenn du deine Träume immer in die Zukunft verschiebst, kann es sein, dass du sie nie verwirklichen wirst. Viele warten mit einer solchen Reise bis zur Rente. Und wenn es dann soweit ist, sind sie vielleicht gar nicht mehr in der Lage, sie anzutreten und durchzustehen. Solche Stories haben wir sehr oft gehört. Deshalb war unser Motto: Now or never!

Robert: Ich stand an einem Wendepunkt in meinem Berufsleben. Ich wollte das, was ich über viele Jahre mit sehr viel Herzblut gemacht habe, nicht weiter machen. Ich wollte zurück ins wahre Leben. Und mehr Zeit mit Kerstin verbringen. Weniger Zeit in Fliegern, am Schreibtisch und in Konferenzräumen. Also – Now or never!

Auszeit auf dem Segelboot

Wie lange hat es dann noch gedauert, eure Idee real zu machen und endlich losfahren zu können?

Kerstin: Das ging alles ziemlich schnell. Von der Idee bis zum Schiffskauf vergingen nur einige Monate, in denen wir intensiv nach dem richtigen Boot gefahndet haben. Dann haben wir unsere Wohnung aufgelöst, das Auto verkauft und sind im März 2012 auf’s Schiff gezogen. Zwölf arbeitsreiche Wochen später stachen wir dann in See.

Robert: Die meisten Blauwassersegler bereiten sich mehrere Jahre auf eine solche Reise vor. Das war für uns jedoch keine Option. Wir wollten los! Die Welt erkunden. Das Abenteuer beginnen. Und da wir bereits viele Jahre davon geträumt hatten, wollten wir keine Zeit mehr verschwenden.

Auszeit auf dem Segelboot

Ihr wart fünf Jahre unterwegs. War das auch der Plan? Oder, anders gefragt:
Kann man so etwas überhaupt planen?
Und wart ihr euch da immer einig?

Kerstin: Geplant waren ursprünglich zwei bis drei Jahre. Aber wir merkten schnell, das wir uns mehr Zeit nehmen wollten. Nicht durch die Welt rasen und alles nur im Zeitraffer erleben. Sondern Land und Leute kennenlernen. Am Ende waren es über 20 Länder und mehr als 30.000 Seemeilen. Und wir haben viele tolle Menschen getroffen, die wir vor allem dadurch ins Herz schließen konnten, dass wir viel Zeit mit ihnen verbracht haben.

Auszeit auf dem Segelboot

Und dass man mit einem Segelboot nicht alles durchplanen kann, war eine der Lektionen, die wir mühsam lernen mussten. Du entscheidest nicht allein. Wind, Wetter und viel anfällige Technik an Bord funkten uns immer wieder dazwischen. Wir wollten z.B. Weihnachten 2015 in Kolumbien mit Freunden verbringen, waren zu diesem Zeitpunkt aber tausende von Kilometern entfernt an der Ostküste der USA mit unvorhergesehenen Reparaturen beschäftigt. Also leider nix mit Kolumbien.

Robert: Glücklicherweise hatten wir immer das gleiche Bauchgefühl hinsichtlich unserer Reise und der vielen verschiedenen Zwischenstationen. Und schließlich auch hinsichtlich des Zeitpunktes, die Reise zu beenden und etwas Neues zu starten.

Als ehemalige Schreibtischtäter hattet ihr ja vorher nicht allzu viel Erfahrung, was tage- und wochenlanges Navigieren anbelangt. Wie habt ihr euch vorbereitet auf die Tage und Nächte auf hoher See?

Robert: So richtig vorbereiten kannst du dich darauf nicht. Wir besitzen die zur Schiffsführung nötigen Scheine und bei der Vorbereitung darauf haben wir sehr viel gelernt. Und du tastest dich an die Tage und Nächte auf See heran. Erst mit Ganztagestörns, dann mit der ersten Nachtfahrt, der ersten Drei-Tages-Nonstop-Tour und so weiter. Aber wenn du dann zum ersten Mal mehrere Wochen am Stück auf See bist, Stürme durchsegelst und unerwartete Probleme mit der Technik lösen musst, ist das meist ganz anders, als du dir vorher vorgestellt hast.

Auszeit auf dem Segelboot

Kerstin: Noch eine Sache, die unter Seglerpaaren durchaus nicht selbstverständlich ist: Von Anfang an war unser Motto, dass wir beide Schiff, Navigation, Manöver etc. komplett beherrschen müssen. Das gibt ein sehr sicheres Gefühl. Wir wissen, dass wir uns hundertprozentig aufeinander verlassen können, wenn einer Nachtwache hat und der andere unter Deck schläft.

Ich könnte mir vorstellen, dass es wunderschön sein kann auf dem Ozean – aber man genauso gut vielleicht auch mal Todesangst leiden kann, wenn man nur zu zweit auf sich gestellt ist. Wahrscheinlich kommen einige Sachen auf einen zu, mit denen man never ever gerechnet hätte. Was war der schönste und was der schrecklichste Moment des Leben an Bord?

Kerstin: Einer der schrecklichsten Momente war, als bei unserer ersten, sehr stürmischen Atlantiküberquerung Ende 2012 nach fünf Tagen auf See der Generator in Flammen aufging. Dann hat sich auch noch die Lichtmaschine verabschiedet. Somit konnten wir unsere Batterien nicht mehr laden. Wir wussten, jetzt haben wir ein „Black Ship“, ohne Strom. Nichts geht mehr, kein Autopilot, keine elektronischen Navigationsinstrumente, keine Wetterdaten, kein WC.

Auszeit auf dem Segelboot

In dem Horror-Moment, als wir das realisierten, haben wir unseren ganzen Mut zusammen genommen, nach vorne geblickt und gesagt: „Wir kehren nicht um. Columbus hat das auch geschafft.“ – Wir haben dann zwölf aufreibende Tage lang immer abwechselnd für vier Stunden am Stück am Steuer gestanden. Tag und Nacht. Bei Wind und Wetter. Wer vier Stunden Freiwache hatte, hat geschlafen, um irgendwie die Kräfte zu schonen. Als wir in St. Lucia in der Karibik ankamen, waren wir total erschöpft, einige Kilos leichter und sehr happy, dass wir diesen Husarenritt gemeistert und auch noch die richtige Insel erwischt haben.

Auszeit auf dem Segelboot

Robert: Unter Boatern kursiert die Redewendung, dass die zwei schönsten Tage im Leben eines Bootseigners der Kauf und der Verkauf des Bootes sind. Da ist was dran, aber „schönste Momente“ gab es auf unserer Reise sehr viele. Ich könnte mich gar nicht für einen entscheiden. Ein Highlight war sicherlich New York City. Als wir mit dem eigenen Boot in den New York Harbour einliefen, hatten wir Gänsehaut!

Auszeit auf dem Segelboot

Wir waren schon sehr oft in NYC, aber auf eigenem Kiel dorthin ist etwas sehr Aufregendes. Zudem habe ich dort einen Meilenstein gefeiert, meinen 50sten. Aber generell hatten wir sehr viele schöne Momente, die mit faszinierenden Orten und vor allem auch mit tollen Menschen zu tun hatten.

Ihr kennt euch schon lange – und ich muss sagen, ich kenne kaum ein Paar, das sich gegenseitig mehr begehrt und mehr verehrt als ihr. Belastet das intensive Zusammenleben auf engstem Raum die Partnerschaft nicht doch irgendwie?

Auszeit auf dem SegelbootAuszeit auf dem Segelboot

Kerstin: Danke für das schöne Kompliment! Das 24/7-Zusammenleben auf engstem Raum ist auf jeden Fall ein Stresstest für jede Beziehung. Es muss schon ziemlich grooven, damit eine Beziehung diese Zeit gut übersteht. Und im Idealfall – wie bei uns – sogar noch gestärkt daraus hervorgeht. Das, was wir alles zusammen erlebt, durchstanden und gemeistert haben, hat uns noch mehr zusammengeschmiedet.

Auszeit auf dem Segelboot

Robert: Wir haben auf der Reise oft knifflige Situationen und Probleme erfolgreich gemanagt, weil wir uns so gut ergänzen. Wenn man auf engem Raum, ohne Rückzugsmöglichkeiten, so intensiv zusammenlebt, ist alles sehr viel direkter. Schwelende Konflikte oder Unzufriedenheiten, die halt mal vorkommen können, sollten schnell thematisiert und gelöst werden. Sonst kann selbst eine langjährige Beziehung den Bach runtergehen – was immer wieder vorkommt und was wir leider selbst bei Freunden miterlebt haben.

Und jetzt? Ihr habt eure TRINITY verkauft. Wie schafft man es, Abschied zu nehmen?
Was habt ihr vor?

Robert: Das mit dem Abschied war ein Prozess – von der Entscheidung bis zum letztendlichen Verkauf ist mehr als ein halbes Jahr vergangen. Zudem haben wir den Atlantik von den Bahamas nach Europa überquert. Das waren 31 Tage auf See, in denen wir langsam von diesem wunderbar verrückten Leben und von unserer treuen Gefährtin TRINITY Abschied genommen haben.

Auszeit auf dem Segelboot

Kerstin: Es war eine tolle Zeit, eine große Bereicherung für unser Leben, doch jetzt kommt etwas Neues. Wir haben viele Ideen und nehmen uns jetzt erst einmal Zeit, sie zu sondieren und dann die Weichen in eine neue, aufregende Richtung zu stellen. Nach so langer Zeit auf dem Wasser und in der Natur können wir uns nicht vorstellen, einfach so nach Berlin zurückzukehren und das alte Leben wieder aufzunehmen. Uns schwebt eher so etwas wie das Leben auf einer Insel im Süden Europas vor. Und eine berufliche Aufgabe, die es uns erlaubt, unser Leben weiterhin intensiv zu leben. „Carpe Diem“ oder, wie wir es immer auf unserem Blog genannt haben, „Seas the day“!

Auszeit auf dem Segelboot

Tausend Dank, ihr Coolen, für das Beantworten meiner Fragen zu eurer Auszeit auf dem Segelboot.
Für alle, die noch mehr lesen wollen: Lest Kerstins und Roberts Blog
https://trinityberlin.wordpress.com. Durch die Zeitverschiebung hatte ich oft nachts das Vergnügen, von ihren Abenteuern zu erfahren, die mir immer Stoff für meine eigenen Träume gaben. Ahoi!

alle Fotos: Dr. Kerstin Foell, Robert Stolle

 

 

Bei -35° in schwedisch Lappland.
Artikel aus dem LOOPING MAGAZIN.

Alle Fotos: Sabine Neddermeyer für looping-magazin.de

Minus ohgottogott Grad – der Temperaturencheck schockt gewaltig: Wie soll ich bitte so eine eiskalte Nacht in einem Iglu in Lappland schaffen? Wie ein paar vollständige Tage überleben? In Gedanken resümiere ich, was ich an Winterbekleidung habe. (Zu wenig. Reicht nicht für unter Minus 20).

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Ich, das Wollschaf.

Leihe mir also bergeweise Wollenes, Funktionswäsche (WAS für eine sexy Wortschöpfung), packe die smartesten Jacken, die dick gefüttertsten Schneehosen, bestelle sogare beheizbare Einlagen für Schneestiefel. Nur um vor Ort festzustellen, dass ich hier im Iglootel einfach Thermoanzug plus Thermostiefel ausleihen kann, der all mein Gepäck quasi unnötig macht. Dass man in dem Ding aussieht wie ein Michelinmännchen, naja das ist eine andere Sache …

Abenteuer in Schwedisch Lappland

Doch ich muss sagen, als ich vor die Tür in den Schnee stapfe und mich umsehe, gehen mir die Augen über. Denn die Landschaft hier in Schwedisch Lappland ist ein Traum: so weit, so beruhigend, so zauberhaft unberührt. Um es vorweg zu nehmen: Die Unberührtheit ist nur eine Seite. Es ist hier keinesfalls nur Ruhe und Einsiedelei angesagt! Arjeplog ist seit vielen Jahren nämlich DIE Wintertest-Area für die Autoindustrie und hält für jeden, der Benzin im Blut hat, herrlich viel Funfaktor bereit.

Hej, du herrliches Kontrastprogramm.

Deswegen finde ich einen Urlaub hier eine ziemlich schlaue Idee: Du hast für jeden was dabei, aber davon das Coolste. Entweder Motorsport und Action im Schnee oder raus auf den See zum Eisangeln oder eine Wanderung mit den Schneeschuhen und diese Auszeit vom Stadtleben genießen. Beides tut wahnsinnig gut.
Zieh bei der Ice-Rally deine Runden und tob dich aus. Jeder Mann, den ich hier traf, hat auch GENAU das getan. Purer Spaß ohne Ende. Ich selber hab’s auch getan. Bin zu dem gefürchtetsten Typen ins Auto gestiegen und hab‘ in der nächsten Sekunde fast einen Herzinfarkt gekriegt.

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Rally on Ice mit Mr. Helldriver.

Der Typ ist ein professioneller Rallyfahrer und sein Ruf eilt ihm voraus. Berechtigterweise: Wer mit volle Kanone Highspeed allein übers Eis jagt, der muss schon Nerven haben.

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Wer aber bei der Drifting-Rally als letzter von zehn Karren startet und in weniger als fünf Minuten alle anderen mit Rekordgeschwindigkeit überholt hat, der ist ein bisschen wahnsinnig. I love it! Es ist genau nach meinem Geschmack und als ich aus dem Auto steige, muss ich mich zuerst flach auf den Schnee legen. Und dann aus vollem Hals lachen. Auf meine Frage, ob hier nicht SONSTWAS passieren kann, antwortete mir der Helldriver: Klar, aber man überschlägt sich höchstens mal. Die Autos wären eh alle alt. Dieses Jahr wär ihm das aber noch nicht passiert. Jau!

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Mein erstes Mal. Und davon ganz viele.

Nachdem ich dann eine Nacht in einem Iglu verbracht habe, bin ich vollends dieser Gegend verfallen. Man denkt ja immer, man müsste solche Trips lange planen und fast arktiserprobt sein, aber es ist wirklich easy. Die Frostbeule, die schon auf dem Flohmarkt im Berliner Mauerpark nach einer Stunde im Winter die kältesten Eisklumpen an den Beinen hat, hat’s nämlich auch geschafft. Mitschuld daran hatten zugegebenermaßen zwei nahezu schlaflose Nächte VORHER – v­ielleicht war es also auch ein wenig Erschöpfungsschlaf?

Hier in Schwedisch Lappland, nur 100 km vom Polarkreis entfernt, erlebe ich eine Reise voller Aneinanderreihungen von ersten Malen. Das macht Reisen für mich so erstrebenswert. Es ist einfach mal was Anderes als der übliche Skiurlaub und bleibt unvergesslich.

Wrooooooom!

So auch der Ausritt mit dem Schneescooter. „Ist wie Vespa fahren“, sagt der Typ, der unser Truppe – in Skiunterhose, ungelogen! – die Einweisung gibt. Vespa, schön, aber ich fahre sonst nur hintendrauf. Aber diesmal bin ich an der Reihe, meinen Weg durch den Schnee als Helldriver zu machen. Bis auf einen Looping, für den ich als LOOPING-Mitarbeiterin fast prädestiniert war, hat es auch alles sehr sehr gut geklappt *lach*.

Abenteuer in Schwedisch Lappland

Ich lerne: Lappland ist beeindruckende Weite mit einer Kälte, die viel weniger Luftfeuchtigkeit hat als zuhause – deswegen quasi angenehm klirrend kalt ist. Und Lappland heißt schönste Aussichten.

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It’s magic.

Die Sonne geht zwar früher unter, dafür umso schöner – faszinierend, da ohne wahnsinnig hohe Berge. Alles hat so eine malerische Sanftheit. Hach! Wie sich Sonne über dem Horizont über die schneeverhangenen Landschaften niederneigt und immer wieder andere Färbungen zeigt, das finde ich zum Niederknien schön.

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Abenteuer in Schwedisch Lappland mit Kaffee spezial.

Nach meinem Ausflug zu den Sámis ins Batsuoj-Center, wo ich Rentiere mit Flechten füttern und sie auch streicheln durfte, erlebe ich einen der gemütlichsten Augenblicke dieser Reise: in dem Holz-Tipi bei köstlichem Kaffee, am Lagerfeuer auf Rentierfellen.

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Im Zauber des Feuers den Erzählungen über die schamanischen Traditionen der Sámi lauschend, wird getrocknetes Rentierfleisch als Snack gereicht. Die Krönung: Unser Guide sagt mir, ich soll die Snacks in die Kaffeetasse legen! Hahaha, lache ich erst noch, bis ich merke: das ist sein voller Ernst! Verrückterweise schmeckt auch das sehr lecker. Ich sage ja: viele erste Male hier in Schwedisch Lappland …

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Tag und Nacht on tour.

Tagsüber gleite ich auf einem Hundeschlitten mit einem Team von neun verschmusten Alaskan Huskies durch den Schnee; nachts gehe ich auf Nordlichtsuche.

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Denn natürlich muss man, wenn man hier oben ist, einmal das Spektakel eines mystischen Polarlichts erlebt haben! Doch das Ergebnis meiner Nachtwanderungen würde ich mit Heidi Klums Worten so beschreiben: Looping, ich habe heute leider kein Nordlicht für dich.

 

Mit Unterstützung von FlyCarIGLOOTEL und Cold-Nose-Huskies. Meine ewige Hochachtung gilt der verrücktesten Vater-Sohn-Kombi Fam. Hallnor für den Fast-Herzinfarkt bei Hallnor’s Lippi Ice Driving.